Da hat sich der Abonnent der Documenta Vaticana am Beginn des Jahres 2009 aber richtig freuen können: eine schön anzusehende Themenausgabe mit vier farbigen Faksimiles zu einem 'deutschen' Gelehrten des frühen Mittelalters – einmal ohne Bezug zur Geschichte des Papsttums und des Vatikans. Rabanus Maurus, oft auch Hrabanus Maurus geschrieben, aus fränkischem Adelsgeschlecht, 780 in Mainz geboren und schon als Kind in die Welt der früh-mittelalterlichen Klöster im berühmten Benediktinerkloster in Fulda eingetaucht, steht im Mittelpunkt.
Vier schöne Folios zu seinem umfangreichen Lebenswerk mit bildlichen Darstellungen, die seine tief-mystischen Gedanken in Gedichtform (carmina figurata – Figurengedichte) untermalen. Sie entstammen sämtlich dem Frühwerk 'De laudibus sanctae crucis' (“Vom Lob des Heiligen Kreuzes“) - im vatikanischen Archiv zu finden unter odex Reg. lat. 124.
Er schenkte diese Handschrift 826 dem Mainzer Dom (847 wurde er dort zum Bischof erhoben). Danach gelangte sie der Reihe nach in die Hand von Kaiser Rudolf II., von Königin Christina von Schweden und schließlich in den Besitz des Heiligen Stuhls. 1503 erschien erstmals ein gedrucktes Exemplar des Textes bei Jakob Wimpfeling in Pforzheim .

Auf den Folios ist Rabanus Maurus zunächst selber abgebildet, wie er zusammen mit seinem Lehrer Albinus (Alkuin) das von ihm verfasste Werk dem Heiligen Martin von Tours übergibt, der beide segnet. Die zweite Abbildung zeigt die Kreuzigungsszene Christi, die im Werk von Rabanus Maurus das zentrale Thema ist. Das nächste Dokument zeigt auf der Vorderseite in vier durch das Kreuz geteilten Feldern die Cherubinen. Auf dem vierten Blatt schließlich ist das Kreuz als Siegeszeichen Christus des Königs, das in die Welt hinaus strahlt, zu deuten. Die Dokumente zwei, drei und vier zeigen rückseitig die berühmten (lateinischen) Gebete des Rabanus Maurus in Versform, ohne erkennbaren Reim.
Die Transkriptionen und Übersetzungen sind von der Mitarbeiterin des Archiv Verlags Dr. Christine Maria Grafinger, die auch die Auswahl der Blätter besorgte. Sie erlauben dem Leser, wenn er nicht schon andernorts den Gedichten und Hymnen von Rabanus begegnet ist, etwa im Pfingsthymnus 'Veni Creator Spiritus' (von R.M. überliefert), eine vertiefte Aufnahme der mystischen Gedanken des Heiligen, dieses Mal jedoch zusammen mit den Bildern, die das Ganze auf eine noch höhere Bedeutungsebene transferieren. Sie sind, was den Text anbelangt, zwar in der Literatur über das lateinische Mittelalter schon wiedergegeben und besprochen worden. Bei den “originalgetreuen Reproduktionen als Auszug aus einer der größten Prunkhandschriften der karolingischen Zeit“ (Archiv Verlag) handelt es sich jedoch um eine Erstveröffentlichung in Faksimileform. Ohne die Sendung über zu bewerten, so kann sie doch als ein kleines, aber feines Kleinod in den Händen des Sammlers der Dokumenta Vaticana bezeichnet werden.
Wenn man den Ausführungen des Archiv Verlags folgt, so sind sie auf einem nur noch selten hergestellten Papier gedruckt, das den Charakter der mittelalterlichen Blätter nachempfinden lässt.
Pers. Anmerkung: die Faksimileblätter dieser Themenausgabe passen entfaltet bequem in DIN A 3 Prospekthüllen, in denen ich die Dokumente überwiegend - alle Themen zusammen in bisher 4 Ringordnern - seit einiger Zeit aufbewahre. Das verschafft noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Sammlung und erzeugt eine ganz andere Wirkung auf den Betrachter. (H.K.)
Eine vollständige Liste der bisher erschienenen Ausgaben und ihrer Besprechungen im Rahmen des Rezblogs finden sich hier.