Man hat nicht viel Auswahl, wenn es einen, ob einer Veranstaltung, in die tiefste Provinz des tiefsten Ostens verschlägt. Das Städtchen Nebra ist nett, das Hotel vorbildlich, aber wir ahnten bereits, was uns erwartete, als uns auf dem Weg dorthin der Fuchs am Strassenrand winkte, kurz, bevor er dem Hasen gute Nacht sagte. Aber da Nebra offensichtlich die letzten 3600 Jahre verschlafen hat und sich deshalb die letzten 10 Jahre auf die Himmelsscheibe von Nebra, die eigentlich die Himmelsscheibe von Wangen heißen müsste, konzentrierte, landeten auch wir mangels echter Alternative in der Arche Nebra, einem Besucherzentrum, das sich vornehmlich um ebenjenes Stück Blech dreht.
Es verfügt über 3 Etagen, die das ganze Problem deutscher Kulturerschließung wunderbar architektonisch darstellen und bewegt sich dementsprechend hart an der Grenze zur Touristenfallea: Eine Etage - offensichtlich nicht zugänglich - fällt der Verwaltung zu, eine weitere Etage dient mit Museumsshop, riesigem Kassenbereich und Café alleine dem Geldverdienen, auf der verbleibenden Etage ist eine Hälfte für Wechselausstellungen reserviertb und auf der anderen, also gerade mal einem Sechstel des Besucherzentrums, findet sich das eigentliche Objekt der Begierde. Oder genau genommen findet es sich nicht - nicht einmal als Replik.c
Man beleuchtet die Himmelsscheibe aus verschiedenen Blickwinkeln bis hin zu künstlerischer Interpretation, alles in allem eher technisch kühl - der Gesellschaft, der sie entstammt, wird, obwohl sie für den Kontext wichtig ist, kaum Raum gegeben. So manche Spekulation wird als Fakt dargestellt, ohne weiteren Hintergrund zu liefern, wie es zu dieser Erkenntnis kam. Zwar gibt es die Scheibe nirgendwo tatsächlich zu anzusehen, dafür wird man von der Projektion eines kleinen Männchen genervt, das mit seinem Staubwedel die Präsentation "sauber hält" und dabei allerlei erzählt - für Kinder viel zu ausschweifend, für Erwachsene viel zu albern.
Verschiedene Texte und Beispiele zur Gestirnbeobachtung und Zeitrechnung ergänzen die Präsentation, bevor man zum Höhepunkt der Arche, einer etwa 20-Minütige Dokumentation über die Scheibe und ihre Darstellung, in ein kleines Planetarium eintritt. Technisch sicherlich hervorragend gemacht, stellte ich mir mehr als einmal die Frage, ob die Dokumentation in Zusammenarbeit mit Galileo Mystery entstanden ist - es drängte sich in der gesamten Machart und Darstellung von Vermutungen geradezu auf.
Das alles ist ja - günstigstenfalls - ganz nett, aber defenitiv nicht einmal Ansatzweise die € 7,50 Wert, die dafür als Obolus verlangt werden, jeder Wikiartikel ist informativer. Man möge sich die architektonisch mehr als gelungene Arche von Aussen ansehen, wenn man schon dort ist, am Besten bei einer Tour um den Mittelberg, bei dem sich gleich auch noch der Fundort besichtigen lässt. Wer will, soll bei einem Kaffe die Aussicht auf der Terasse genießen und wer nicht anders kann, soll bis nach Halle pilgern um sich dort das Fundstück selbst anzusehen. Aber man sollte sein Geld dann doch lieber an lohnenderer Stelle lassen, z.B. als Mittelalterlicher in der etwa 20km entfernten Neuenburg mit ihrer gelungenen Präsentation - denn jenseits des umfangreichen pädagogischen Programms, vorrangig für Kinder, ist die Arche Nebra bestenfalls ärgerlich.
Lieber Zeitreiser
Wunderbar auf den Punkt gebracht, vor allem der letzte Satz der Fußnoten. Die Ausstellung reiht sich, deiner Beschreibung nach, nahtlos in die lange Reihe der Ärgerlichkeiten rund um diesen Fund ein.
15:12
Lieber Zeitreiser,
auch wir waren nach dem Sonnenball in Nebra, entschieden uns aber nach der Information, dass es nicht die Orginal Himmelsscheibe gegen die Ausstellung und fuhren durch Mehmleben und sind in dem beeindruckenden Kloster hängengeblieben, das eine wohltuende Ruhe (nach dem zu großgewordenen Sonnenball)ausstrahlte.
Grüße aus dem badischen Süden
von Veronika Brunner-Häge